Tragödien wie der Amoklauf in Winnenden schockieren uns, lassen uns den Atem stocken und mit dem Kopf schüttel. Schnell sollen Erklärungen her, warum eigentlich sowas unerklärliches passiert ist. Schnell sind “Killerspiele” bei den Politikern im Gespräch und ein Verbot wird hier und da diskutiert. Das so ein Verbot zukünftige Amokläufe verhindern kann ist dabei sehr umstritten. Dr. Lothar Adler erforscht schon seit längerem und hat beispielsweise im Rahmen der Ringvorlesung der Universität Erfurt “Gewalt und Terror” einen Vortrag über Amokläufe gehalten (Zusammenfassung des Vortrags). Interessant ist das die Anzahl der Amokläufe recht konstant ist bzw. sogar Rückläufig ist. Außerdem gibt es das Phänomen Amoklauf schon sehr sehr lange. Also auch wesentlich länger als es Computer gibt. Im Interview mit der Zeitung Unicum ist beispielsweise folgende Aussage zu finden:

Viele fordern jetzt schärfere Waffengesetze und ein Verbot von so genannten „Killerspielen“. Was halten Sie davon? Helfen solche Maßnahmen oder liegen die eigentlichen Probleme nicht ganz woanders?

Adler: Die eigentlichen Probleme liegen ganz woanders. Wir haben die Jahrzehnte von 1980 – 1990 und 1990 – 2000 untersucht. Nach 1990 standen Waffen auf dem Schwarzmarkt in nahezu beliebiger Menge zur Verfügung. Tatsache ist, dass die Amokläufe danach seltener wurden. Aber die, die gelaufen wurden, wurden häufiger mit Schusswaffen durchgeführt. Tatsächlich waren sie dann auch etwas gefährlicher. Das Problem liegt also ganz woanders.

Deutschland verfügt bereits heute über einen der schärfsten Gesetze in Bezug auf gewalthaltige und gewaltverherrlichende Computerspiele. Spielt also ein jugendlicher unter 18 Jahren solche Computerspiele wird hier schon gegen ein Gesetzt verstoßen, nämlich die Eltern gegen Ihre Aufsichtspflicht. Solche Computerspiele sind — aus gutem Grund (!) — je nach “Härtegrad” der Gewaltdarstellung erst ab 18 Jahren freigegeben und auf dem Index (=Werbeverbot und Einschränkung beim Verkauf) bzw. beschlagnahmt (= Werbe-,  undVerkaufsverbot). FSK16 Spiele nun evtl. auch noch zu verbieten ohne fundierte wissenschaftliche Grundlage diskreditiert hier eindeutig die aktuelle Jugendkultur.

Erschreckend ist deshalb der polemische Vorstoß der Innenminister von heute: Sie fordern in Bezug auf gewalthaltige Computerspiele “ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot so schnell wie möglich umzusetzen”. Wie gesagt, der Sinn dieser Forderung bezüglich Amokläufe ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Stellt sich also wiedermal die Frage, warum das Ganze? Wird hier Wahlkampfbetrieben?

Der Wahlkampf kann allerdings nach hinten losgehen: Mein Tipp am Sonntag Die Grünen oder die Piraten wählen, die beide gegen solch ein Verbot sind:

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